Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Tibet liegt im Westen Chinas. Städte in Tibet sind Lhasa (拉萨) und Shigatse (日喀则市),
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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von Snowpool22 » 03.12.2009, 14:54

@Abendländer

Du sagst du nennst dich Abendländer weil du Stolz auf deine Herkunft und Kultur bist, ich frage mich nur was der Anlass dazu ist?
Hast du Irgendwas zu deiner Kultur beigetragen, oder beschränkt sich dein Stolz lediglich auf den Zufall deiner Geburt in dieser Region?

ijontichy
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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von ijontichy » 03.12.2009, 15:24


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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von RoyalTramp » 03.12.2009, 15:25

Abendländer hat geschrieben:Als Grundlage für die Bestimmung der Rechtmäßigkeit von Ansprüchen betrachte ich nur die Ansässigkeit von Volksgruppen, die auch heute noch im Gebiet vorhanden sind, entweder sprachlich oder vom Selbstverständnis her.
Warum denn nur heute? Ist doch völlig willkürlich...warum nicht 2000 Jahre zurück oder vielleicht 200 Jahre in die Zukunft. JETZT einfach hergehen und sagen: Wir machen jetzt die Sprach- und Kulturgrenzen einfach fix, wie sie aktuell sind, ist völlig bar jeglicher Realität und unglaublich willkürlich.
Ich habe noch einmal in Wikipedia nachgesehen. In Xinjiang sind die Uiguren im Kerngebiet vor den Han-Chinesen gekommen. In Ost-Xinjiang ist es einleuchtend, daß schon sehr lange auch Han-Chinesen ansässig sind. Ich nehme mal an, als Minderheit, oder? Das sollte selbstverständlich in einer gerechten Sprach- und Volksgruppenpolitik seine Berücksichtigung finden!
a) Was ist das Kerngebiet von Xinjiang?
b) Wer oder was war vor den Uiguren, die aus der Mongolei dort eingewandert sind?
In durchmischten Gebieten wäre eine kreis- gemeinde- oder stadtbezogene Regelung aus meiner Sicht das sinnvollste, wie es in der Schweiz mancherorts gehandhabt wird. Zur Klärung der Amts- und Schulsprachenregelung müßten sich Vertreter der alteingesessenen Volksgruppen an einen Tisch setzen.
Super, dass dieser Ministaat Schweiz als Beispiel aus dem Hut gezaubert wird, wo sich die kulturellen, bevölkerungstechnischen und wirtschaftlichen Prämissen von Staaten wie China diametral unterscheiden. Es ist ein kleines Land mit einer wirklich kleinen Bevölkerung. Dass klappt da ganz gut mit dieser strikten Trennung! Aber wie will man so was bei 1,3 Mrd. Menschen umsetzen, mit 56 offiziellen Minderheiten (von inoffiziell über 300!)
Ich glaube nicht, daß die Verwendung einer Regionalsprache als Erstsprache für die Schüler ein Nachteil bedeutet. Eigentlich muß es Ziel der Politik sein, den Menschen in ihrer Heimat eine gute berufliche Zukunft zu bieten. Bei ausreichend Unterrichtsstunden und ggf. gutem, zweisprachigem Schulunterricht sind gute Putonghua-Kenntnisse gewiß gewährleistet.
Kaum ein Schweizer aus dem Raum Zürich ist in der Lage richtiges Standarddeutsch zu sprechen, da die dialektale Vorprägung einfach zu extrem ist. Und das obwohl das Schweizer-Deutsch und das Hochdeutsch sich wesentlich ähnlich sind. Würde sich jetzt das Schweizerdeutsch genauso von Hochdeutsch unterscheiden wie Turkisch von Mandarin-Chinesisch, dann wären fortan Deutsch-Schweizer fortan nur noch auf die Nordschweiz beschränkt, weil sie nicht im Geringsten in der Lage wären, sich in Deutschland vernünftig zu verständigen.

Es bedeutet ganz klar einen großen Nachteil, wenn als Erstsprache die Standardvarietät einer Regionalsprache gelehrt wird, die sich von der Hochsprache in sehr sehr vielen Dingen so arg unterscheidet, wie es aber in China nunmal der Fall ist.

P.S.: In ihrer Heimat eine gute berufliche Zukunft? Als was denn? Als Ziegenhirten? Denn die Wüste da im Norden Xinjiangs gibt nicht wirklich viel her. Daher bietet die chinesische Regierung diesen Menschen eine Chance, gute Arbeitsplätze auch außerhalb ihrer "Heimat" aufnehmen zu können. Voraussetzung dafür ist, dass diese Menschen das Putonghua beherrschen, da sie sonst außerhalb ihrer Heimat null Chancen auf eine Arbeit haben und daher ist Putonghua in Xinjiang als Erstsprache verpflichtend und absolut begrüßenswert, alleine aus Verantwortung für die Menschen dort heraus. Nichts spricht gegen den regionalen Dialekt als Zweitsprache, aber auf keinen Fall als Erstsprache! Man stelle sich das auf Deutschland angewandt vor...würde man überall den regionalen Dialekt als Erstsprache in den Schulen unterrichten, würde man Deutschland mittenrein und wieder zurück ins 17. Jhr. katapultieren.
Ich beherrsche nach 6 Jahren Englischunterricht und 3 - 5 Wochenstunden das Englische ziemlich gut.
So gut, wie deine Muttersprache? Und das muss man sich mal reinziehen...Englisch und Deutsch sind sich noch irgendwo hinsichtlich Grammatik, Schreiben, sogar der Aussprache in Teilen ähnlich...und trotzdem wirst du das Englisch wohl kaum auf Muttersprachenniveau beherrschen. Wie soll das ein Uigure, dessen eigentliche Sprache sich so extrem vom Standardchinesisch unterscheidet...in Schrift, Grammatik, Syntax, Morphologie und und und...wie soll so jemand in der Lage sein, jemals an eine chinesische Universität gehen zu können, um eine besser Ausbildung zu erhalten, um später einen besseren Job ergreifen zu können, wenn er dann nicht in der Lage ist, den chinesischesprachigen Unibetrieb genausogut und erfolgreich zu verfolgen, wie die Chinesen an sich, weil er sprachlich einfach nicht mitkommt?
Es muß Ziel der Politik sein, daß z. B. Tibeter im tibetischsprachigen Umfeld gute Arbeitsstellen bekommen.
Als was? Als Yak-Hirten? Super und ein zukunftsträchtiger Job. Nein, ich wiederhole es nochmal: Es ist gut, dass Tibeter in der Schule als Erstsprache Putonghua lernen und sich ihnen damit alle Möglichkeiten bieten, in ganz China studieren und arbeiten zu können und das sie irgendwelche besonderen Schwierigkeiten dabei zu überwinden hätte. Es hat an diesen Schwierigkeiten schon genug, da muss nicht auch noch eine sprachliche Barriere aus übertriebenen Konservismus künstlich aufgebaut werden.
Ich befürworte eher, die Volksgruppen eher zum Bleiben in der Heimat zu bewegen. Aber wer sich unbedingt im Han-Gebiet bewerben will, dem soll man es nicht verbieten. Damit meine ich nicht, daß man in der gleichen Stadt oder im gleichen Kreis bleiben soll. Jedes Volk und jede Sprachgemeinschaft hat ein Recht auf ein lebenswertes Leben auf dem Gebiet der Heimat mit einem Umfeld, wo die eigene Sprache vorherrschend ist.
Um Gottes Willen! "Jede Volksgruppe zum Bleiben..." Was ist an tausende Quadratkilometer Wüste oder Hochödland so lebenswert, dass du den Menschen Steine in den Weg legen willst, außerhalb ihrer Heimat ein besseres Leben führen zu können. Du machst solche Menschen zu den "Deutschtürken" Chinas. Ist das deine erstrebenswerte Welt? Glaubst du, die Tibeter und Uiguren wären damit glücklich? Ich kann es mir nicht vorstellen...
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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von RoyalTramp » 03.12.2009, 15:27

Snowpool22 hat geschrieben:
Und was hast du gegen die "Amerikanische Musik"? Nur mal zu deiner Info. Basis dieser Musik kommt immer noch aus Europa und die Groessten und Besten Kuenstler sind immer noch auf Europaeischen Boden in europaeischer Kultur aufgewachsen.
Und nicht nur das, vieles was Ich in China an Musik in den Charts höre, gab es hier schon vor Jahren.
Vieles ist gecovert, selbst Melodien von Beethoven werden in einigen Chart Liedern verwendet.
Aber das wissen die Chinesen ja nicht... wie sagte meine Freundin letztens noch ...?
.com Domains sind doch Chinesische Domains... :D
Und von wem haben die Europäer ihre Musik...ist es nur ein Zufall, dass sich mittelalterliche weltliche Musik fast original anhört, wie noch in Teilen arabische Musik heutzutage? ;)
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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von Snowpool22 » 03.12.2009, 16:44

RoyalTramp hat geschrieben:Und von wem haben die Europäer ihre Musik...ist es nur ein Zufall, dass sich mittelalterliche weltliche Musik fast original anhört, wie noch in Teilen arabische Musik heutzutage? ;)
Mittelalterliche Musik hört sich "fast original" so an wie Arabische Musik Heutzutage?
Das ist das erste mal das ich sowas höre, solche Stücke müsstest du mir erstmal zeigen.
Ich finde Arabische Musik ähnelt nichtmal der Musik aus dem Mittelalter.
Von welcher Epoche sprechen wir?

Ich bin der Auffassung das sich Arabische Musik deutlich von der Musik zb. aus dem 14 Jahundert in Europa unterscheidet, sowohl im Gesang, als auch in der Wahl der Instrumente .

Auch denke ich, das die Deutsche Musik Kultur sich Eigenständig entwickelt hat.
Ich sehe das als Gerücht wenn du behauptest, Komponisten wie zb. Beethoven währen Aufgrund kopierter Arabischer Musik Kultur hervorgegangen.

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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von Abendländer » 03.12.2009, 16:56

Mit dem Kerngebiet von Xinjiang meine ich die Gebiete, die weiter im Landesinneren von Xinjiang liegen und wo die Uiguren heute noch die Mehrheit stellen.
Zur Gestaltung gegenwärtiger Politik liegt es nahe, daß man heutige Befindlichkeiten und Verhältnisse zugrundelegt. Völker, die heute nicht mehr im Gebiet zu finden sind, melden heute z. B. auch keine Bedürfnisse mehr zur Bewahrung ihrer Kultur an. Niemand hat heute mehr Bezug z. B. zu tocharischer Sprache und Kultur. Das ist einfach eindültig Vergangenheit. Es ist aber keine Vergangenheit, daß Menschen etwas Bestehendes bewahren und/oder weiterentwickeln wollen und in einer Umgebung leben möchten, wo sie ganz selbstverständlich ihre Sprache sprechen können. In strittigen, weniger klaren Verhältnissen vor Ort müssen für eine gerechte Lösung neben dem Zeitraum der Besiedlung noch andere Punkte zusätzlich berücksichtigt werden.
Wenn die Mongolen oder ihnen verwandte Völker in einem Bezirk oder in einer Gemeinde nicht nur eine verschwindend geringe Minderheit sind und dort ihre angestammte Heimat ist, so ist es gut und richtig, deren Sprache als Amtssprache anzuerkennen.
Vor allem bei sehr kleinen Volksgruppen ist die Gewährung des Rechts auf eine eigensprachliche Umgebung und einer dortigen guten, beruflichen Zukunft in der Tat sehr schwer umzusetzen.
Ich halte solche Aussagen, daß es in Xinjiang nur Wüste gibt und Ähnliches für sehr vorurteilsbeladen. In jeder Stadt muß auch anspruchsvollere Arbeit erledigt werden. Und es gibt auch abseits der chinesischen Ostküste Städte und Großstädte. Von jeder Stadt und sogar jedem Dorf aus kann man Waren fertigen, die man rein vom Gedanken her in alle Welt verkaufen kann. Es muß Aufgabe der Politik sein, Bedingungen zu schaffen, damit Einheimische gute Arbeitsplätze in ihrer Heimat bekommen.
Ich glaube kaum, daß die Mehrheit der Menschen ihre Heimat (dauerhaft) verlassen will. Sowohl der Zwang, das Heimatland zu verlassen, als auch sein Heimatland nicht verlassen zu dürfen wie seinerzeit im Ostblock, widersprechen den Menschenrechten.
Ich glaube eher, daß die Mehrheit der Tibeter lieber in Lhasa in Tibetisch studieren als in Peking, abgesehen von einem "Auslandssemester".
Ich höre auch bei mittelalterlicher Musik aber einen deutlichen Unterschied zu arabischer Musik.
Solange amerikanische Musik nicht die einheimische vollkommen verdrängt, habe ich nichts dagegen. Es gibt sowohl amerikanische Musik mit europäischen Wurzeln als auch mit schwarzafrikanischen Wurzeln. Die heutige Rock- und Pop-Musik ist das Ergebnis der Vermischung beider Musikrichtungen. Die Weiterentwicklung hat leider auch weniger schöne Ergenisse gebracht. Ich bin gegen das Verwischen sämtlicher kultureller Unterschiede, weil die Welt dann öde und langweilig wird. Rock- und Pop-Musik ist für meine Begriffe heute vielfach ein Kulturvernichter!
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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von yampal » 03.12.2009, 17:41

Snowpool22 hat geschrieben:
RoyalTramp hat geschrieben:Und von wem haben die Europäer ihre Musik...ist es nur ein Zufall, dass sich mittelalterliche weltliche Musik fast original anhört, wie noch in Teilen arabische Musik heutzutage? ;)
Mittelalterliche Musik hört sich "fast original" so an wie Arabische Musik Heutzutage?
Das ist das erste mal das ich sowas höre, solche Stücke müsstest du mir erstmal zeigen.
Ich finde Arabische Musik ähnelt nichtmal der Musik aus dem Mittelalter.
Von welcher Epoche sprechen wir?

Ich bin der Auffassung das sich Arabische Musik deutlich von der Musik zb. aus dem 14 Jahundert in Europa unterscheidet, sowohl im Gesang, als auch in der Wahl der Instrumente .
.
doch, ca. 7. jahrhundert also frühes mittelalter. du suchst schon fast in der renaissance. wenn dich das interessiert, es gibt eine cd sammlung "les tres riches heures du moyen age" davon die erste" premieres heures". diese arabisch klingende musik plus jüdische tempelgesänge sind unsere wurzel-musikalisch.

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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von RoyalTramp » 03.12.2009, 17:54

Snowpool22 hat geschrieben:Ich bin der Auffassung das sich Arabische Musik deutlich von der Musik zb. aus dem 14 Jahundert in Europa unterscheidet, sowohl im Gesang, als auch in der Wahl der Instrumente .

Auch denke ich, das die Deutsche Musik Kultur sich Eigenständig entwickelt hat.
Ich sehe das als Gerücht wenn du behauptest, Komponisten wie zb. Beethoven währen Aufgrund kopierter Arabischer Musik Kultur hervorgegangen.
Ich spreche vom Hochmittelalter (800 bis 1200) und in der Tat gab es zu der Zeit kaum ein Musikinstrument, welches nicht aus orientalischen Kulturen zunächst überliefert worden wäre, bevor sie dann in Europa über die Jahrhunderte weiterentwickelt worden sind (und ganz richtig sich ab dem 14. Jhr. sehr verschieden zur orientalischen Musik anhört). Die Musiktheorie (Noten etc.) hingegen lehnt sich stark an altgriechische Vorbilder an, aber da ist es ebenfalls sehr wahrscheinlich, das die etwaige Musiklehre bereits auf ältere orientalische Vorbilder zurückzuführen ist.

Dabei waren es nun im Frühmittelalter gerade die in besonderer kultureller Blüte stehenden Mauren im Süden Spaniens, die unsere weltliche Musik tiefergehend prägten.
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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von bossel » 04.12.2009, 20:57

RoyalTramp hat geschrieben:Ich spreche vom Hochmittelalter (800 bis 1200)
Wow! Wieder mal Deine sehr eigene Interpretation? Seit wann läuft das Hochmittelalter von 800 bis 1200?
Nach gängiger Einteilung endet das Frühmittelalter erst im 11. Jh.
und in der Tat gab es zu der Zeit kaum ein Musikinstrument, welches nicht aus orientalischen Kulturen zunächst überliefert worden wäre,
Quellen, Quellen, Quellen ... Wo sind sie?
Kenne mich mit Musikgeschichte leider nicht aus, aber zB Flöten gab es auch schon im Europa der Steinzeit. Trommeln wahrscheinlich auch.
Die Herkunft der Sackpfeifen ist unbekannt, gab es aber vermutlich auch schon zu röm. Zeiten in Europa. Tröten sowieso.

Was für Instrumente gab es denn so? & wieviele davon kannst Du als orientalisch identifizieren?

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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von Snowpool22 » 05.12.2009, 02:11

bossel hat geschrieben:
RoyalTramp hat geschrieben:Ich spreche vom Hochmittelalter (800 bis 1200)
Wow! Wieder mal Deine sehr eigene Interpretation? Seit wann läuft das Hochmittelalter von 800 bis 1200?
Nach gängiger Einteilung endet das Frühmittelalter erst im 11. Jh.
und in der Tat gab es zu der Zeit kaum ein Musikinstrument, welches nicht aus orientalischen Kulturen zunächst überliefert worden wäre,
Quellen, Quellen, Quellen ... Wo sind sie?
Kenne mich mit Musikgeschichte leider nicht aus, aber zB Flöten gab es auch schon im Europa der Steinzeit. Trommeln wahrscheinlich auch.
Die Herkunft der Sackpfeifen ist unbekannt, gab es aber vermutlich auch schon zu röm. Zeiten in Europa. Tröten sowieso.

Was für Instrumente gab es denn so? & wieviele davon kannst Du als orientalisch identifizieren?
Vielleicht hat sich Royaltramp ja nur verschrieben?
Das Hochmittelalter war natürlich von mitte 11. Jahundert bis mitte 13. Jahundert.

Die Quellen und Belege für die Behauptungen das die meisten Musikinstrumente aus orientalischen Quellen stammen hätte ich allerdings auch gerne gesehen.
Vorallem welche Instrumente genau.

Royaltramp bitte melden :?

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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von RoyalTramp » 05.12.2009, 05:41

Wikipedia...
Ägypten [Bearbeiten]

Dass die Musik im öffentlichen wie im Privatleben Ägyptens eine wichtige Rolle spielte, zeigen die zahlreichen, auf fast allen Monumenten des Landes wiederkehrenden bildlichen Darstellungen von Sängern und Instrumentalisten, bald einzeln, bald zu Chören und Orchestern vereint.

Auch lässt die Mannigfaltigkeit der dort erscheinenden Instrumente, unter ihnen die große, reichbesaitete Harfe, auf eine gewisse äußere Pracht und Üppigkeit der ägyptischen Musik schließen. Denn wie die Skulptur und Malerei Ägyptens, auf einer gewissen Ausbildungsstufe angelangt, durch den Machtspruch einer in geheimnisvollem Dunkel wirkenden Priesterschicht zur steten Wiederholung gewisser Typen gezwungen war, so auch die Dicht- und Tonkunst; diese Künste aber mussten unter den genannten Verhältnissen um so sicherer dem Zustand der Erstarrung anheimfallen, als sie zu ihrem Gedeihen die lebendige Teilnahme des Volkes am wenigsten entbehren können.

[...]

Im alten Ägypten sind Musikaufführungen mit Tanz ebenso nachgewiesen wie bei den Hethitern. Bekannt sind als Instrumente die Leier, die Trompete, die Harfe und ein Zupfinstrument in ihren jeweils frühesten Formen. Näheres siehe unter Musikgeschichte.

Wie in sämtlichen antiken Hochkulturen wurden auch im alten Ägypten die Melodienverläufe ausschließlich mündlich überliefert, und zwar durch die Praxis der Chironomie: Hand- und Fingerbewegungen zum Anzeigen der verschiedenen Kadenzen.
Leier...Trompete...Harfe...in ihrer frühesten Form...und das vielleicht schon bei den Hethitern?...ich weiß nicht, was ihr unter mittelalterliche Instrumenten versteht, aber für mich neben Trommel und Flöte die Parade-Instrumente des Mittelalters.

Trommeln und Flöte wird es hingegen, ohne Widerspruch meinerseits, auch schon in der Steinzeit fast überall gehabt haben. Ein Knochen genommen und ein bisschen rumgeritzt...eine Lederhaut ein wenig straffer gespannt und schon kann es losgehen.

Die ersten Ansätze einer systematischen Musiktheorie haben dann die alten Griechen beigesteuert. Und wie wir wissen, sind viele Teile altgriechischer Gelehrsamkeit nicht nur über die römische Tradition an uns Mitteleuropäer weitergeliefert worden, wo sie aber weitgehend beim Klerus verharrte, der als einziger des Latein mächtig waren, sondern an das niedere Volk gerade auch durch arabische Traditionen, die sich anfangs um den Erhalt solcher antiken "Schätze" besonders bemüht haben. Von daher: Der frühe Zusammenstoß zwischen europäischer und arabischer Kultur auf der iberischen Halbinsel war da unglaublich befruchtend.

Das mit dem Mittelalter ist in der Tat von mir "falsch" wiedergegeben, denn es orientiert sich ausschließlich an meinem Faible für das Mittelalter, wo ich Teile der offiziell als Frühmittelalter bezeichneten Periode bereits zum Hochmittelalter rechne (für mich beginnt das Hochmittelalter bereits mit Karl dem Großen und der weitgehenden Christianisierung der Festlandgermanen, da sie für mich die "klassischere" mittelalterliche Periode darstellt, nämlich den Abschluss der nahezu vollständigen Christianisierung und damit Beginn des für mich durch das Christentum geprägten Hochmittelalters). Aber das ist wirklich nur meinem Empfinden nach und beansprucht keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Für mich beginnt das Frühmittelalter auch bereits mit der endgültigen Spaltung des römischen Reiches im 5. Jhr. und der sich zeitgleich noch vollziehenden Völkerwanderung. Offiziell jedoch gilt gemeinhin erst der finale Abschluss der Völkerwanderung als Beginn des Mittelalters. Ich vertrete eher ein Transitionsmodell...eine solch scharfe Abgrenzung bei einer Periodisierung widerspricht meiner Meinung nach der Natur der Sache, die da lautet: Alles fließt. ;)
Einschub: "...Das Hochmittelalter war natürlich von mitte 11. Jahundert bis mitte 13. Jahundert...."

Mein Kommentar: Ja...das ist richtig, dass es offiziell so ist, aber ist es nicht merkwürdig, dass eine als "Frühzeit" klassifizierte Periode mit an die 500 Jahren länger dauern sollte als eine als "Hochzeit" und "Spätzeit" klassifizierte zusammen?
P.S.: Zum Dudelsack -> auch aus Wiki
Gesichertes Wissen über die Sackpfeife vor der Zeit um 1000 gibt es nicht. Einige Wissenschaftler vermuten, die Sackpfeife stamme aus der Balkanhalbinsel/Kleinasien und habe ihren Ursprung bei den Thrakern. In Übersetzungen eines Textes des römischen Historikers Sueton, der überliefert, dass Kaiser Nero die tibia utricularis gespielt hat, wird tibia utricularis als ein Rohrblattinstrument mit Ledersack übersetzt und als Sackpfeife gedeutet. In der Bibel könnten Sackpfeifen[1] im Buch Daniel erwähnt sein (Elberfelder Übersetzung, Daniel Kapitel 3 Verse 5,7,10 und 15 [2]), und zwar im Zusammenhang mit dem Babylonischen Reich.
Der Dudelsack...doch keine schottische Erfindung? ;)
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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von beowulf » 05.12.2009, 05:57

Kenne mich mit Musik des Mittelalters nicht besonders gut aus - man verzeihe mir die Bildungslücke - und will mich hier auch nicht in die Diskussion einmischen.. Aber ich hab mir eingebildet, dass z.B. die Gitarre aus dem arabischen Raum stammt. Jetzt mal kurz bei Wiki nachgeschaut und das da gefunden, vielleicht hilfts ja:


"Instrumente wie die Gitarre waren bereits vor 5000 Jahren in Gebrauch. Ein der europäischen Laute ähnliches Instrument ist bereits auf einem Relief aus dem Tempel des Hammurapi (1792–1750 v. Chr.) von Babylon zu finden. Ägyptische Zeichnungen zeigen Frauen, die Instrumente wie eine Gitarre aus der Zeit der Pharaonen spielen. Der Name Gitarre wurde aus dem Spanischen („guitarra“) entlehnt und geht über Arabisch „qīṯārah“ und Aramäisch „qipārā“ letztlich auf das altgriechische Wort „κιθάρα“ (Kithara) zurück. Jedoch ist dieses griechische Instrument wie die Lyra ein leierähnliches Instrument der griechischen Antike und eher ein Vorläufer der Harfe, Zither oder des Psalters. Das Wort „Kitara“ klingt zumindest ähnlich wie im persischen „Setar“, was dort „Dreisaiter“ bedeutet, so dass diese Entlehnung naheliegt. Gemeinhin wurde das Instrument auch als al oud (arab.عود:„das Holz“) bezeichnet woraus sich das mittelalterliche Wort „Laute“ ableitet. Zumindest lässt sich auch über die Wortgeschichte darauf schließen, dass es die Mauren waren, die das Instrument im 10. Jahrhundert nach Spanien brachten."


@ Mittelalter Diskussion - jetzt auch aus Wiki:

"Durch veränderte Fragestellungen, insbesondere auch den Einfluss wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlicher Fragestellungen, ging man allmählich von dem an der Herrschergeschichte ausgerichteten Ordnungsmodell ab und betonte die Veränderungen des 11./12. Jahrhundert als entscheidende Zäsur des als Mittelalter bezeichneten Jahrtausends. Oft führt das dazu, dass man nur noch das frühere vom späteren Mittelalter unterscheidet."

Die Einteilungen sind eigentlich - oft willkürlich - Festgesetzte, die sich nach dem aktuellen Forschungsstand und Bewertung historischer Ereignisse orientieren. Diese können sich daher auch ändern oder es gibt je nach unterschiedlicher Meinung auch Variationen. Ich weiß von einer ähnlichen Diskussion von einer befreundeten Paläontologin. Da gibt es jetzt angeblich eine neue Einteilung des Mesozuikums (oder war das ein anderes Zeitalter? Bin da jetzt nicht sicher - Mich hat damals mehr die Diskussion an sich interessiert - besonders über die Sinnhaftigkeit - als das Diskussionsthema)

Und zum Dudelsack: Ein "Bock"
http://www.youtube.com/watch?v=iyFEC3Wf ... re=related" target="_blank

Warum hört man soetwas eigentlich nicht im Musikantenstadl?

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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von RoyalTramp » 05.12.2009, 06:29

Eine zeitliche Periodisierung liegt immer im Auge des Betrachters...wo könnte man das schöner sehen, als bei der chinesischen Geschichte und die Probleme, sie zu periodisieren.
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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von beowulf » 05.12.2009, 06:38

RoyalTramp hat geschrieben:Eine zeitliche Periodisierung liegt immer im Auge des Betrachters...wo könnte man das schöner sehen, als bei der chinesischen Geschichte und die Probleme, sie zu periodisieren.
Einfach nach Dynastien :-) Diese "Mittelalter" Periodisierung verwenden die Chinesen nicht. :lol:

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Re: Tibet und Sinkiang/Menschenrechte

Beitrag von RoyalTramp » 05.12.2009, 07:18

beowulf hat geschrieben:
RoyalTramp hat geschrieben:Eine zeitliche Periodisierung liegt immer im Auge des Betrachters...wo könnte man das schöner sehen, als bei der chinesischen Geschichte und die Probleme, sie zu periodisieren.
Einfach nach Dynastien :-) Diese "Mittelalter" Periodisierung verwenden die Chinesen nicht. :lol:
Das ist gar nicht so einfach, denn es wird mitunter gezweifelt, ob eine Orientierung an Regierungsdevisen so ohne weiteres möglich ist. Oder ob nicht bereits Aufstände, die zu einem Sturz einer Dynastie beitragen, nicht als Anfang einer neuen Dynastie gesehen werden können.

Wann hat z.B. die Qing-Dynastie begonnen? Offiziell 1644, aber ein diesbezüglicher Mandschuführer Huang Taiji ist bereits 1626 zum Herrscher über sein Volk geworden und hat seiner Regentschaft den Namen Qing-Dynastie bereits 1635 gegeben. Frage: Ist jetzt 1644 der Beginn der Qing-Dynastie oder 1635? Oder vielleicht sogar schon 1626? Welche Kriterien setzt man an?

Das ist alles nicht so einfach... ;)
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