Tibet - Was ist da los?

Tibet liegt im Westen Chinas. Städte in Tibet sind Lhasa (拉萨) und Shigatse (日喀则市),
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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von bossel » 29.05.2009, 19:01

Mathias hat geschrieben:Ich würde es noch etwas anders formulieren. Der Blick auf die Geschichte ist immer subjektiv, also auch stets Wandlungen unterworfen. Es wird nie "die wahre Geschichte" geben.
Die wahre Geschichte gibt es schon: das, was wirklich passiert ist. Das muß man dann halt abgrenzen von Perzeption, Rezeption & Interpretation.

Mathias hat geschrieben:Welche Sichtweise ist aber die Richtige?
Rechtlich gesehen gibt es das Selbstbestimmungsrecht der Völker...

Mathias hat geschrieben:Das nennt man dann territoriale Integrität, eine Grundvoraussetzung für die Existenz und das Funktionieren von Staaten. Darum reagiert jeder Staat sehr heftig, wenn es um dieses Thema geht.
Wenn Tibet weg ist, hat China immer noch territoriale Integrität, nur eine kleinere. Auch wenn die VRC in 10 kleinere Staaten zerbricht, gibt es noch territoriale Integrität, nämlich 10 Staaten mit ebendieser.

Territoriale Integrität ist nur ein national(istisch)es Machtspielchen, gerne auch als Entschuldigung für Machtmißbrauch.

hifi hat geschrieben:Weil die meisten Inseln in das Südchinesische Meer bereits von Vietnam und Philippinen besetzt sind. Es ist nicht einfach dort die territorialen Ansprüche durchzusetzen. Das führt zwar immer mal wieder zu blutigen Auseinandersetzungen, aber die Chinesen können sich dort nicht wirklich behaupten.
Aber man arbeitet daran. Die Marine wird ja kräftig modernisiert & ausgebaut. Natürlich nur zu friedlichen Verteidigungszwecken ...

Mathias
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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Mathias » 30.05.2009, 02:22

bossel hat geschrieben: ... Die wahre Geschichte gibt es schon: das, was wirklich passiert ist. Das muß man dann halt abgrenzen von Perzeption, Rezeption & Interpretation ...
Selbst wenn Ablauf und Umstände eines historischen Ereignisses noch bekannt und unstrittig sind, gibt es meist schon mehrere "Wahrheiten". Beispiel: Status des 17-Punkte-Abkommen. Variante 1: Der Vertrag wurde von den rechtmäßigen Vertretern beider Parteien geschlossen. Variante 2: Der Vertrag kam unter militärischem Druck zustande. :?: Beides richtig.
bossel hat geschrieben: ... Rechtlich gesehen gibt es das Selbstbestimmungsrecht der Völker ...
Gut, das deckt sich in etwa mit der tibetischen Auslegung. Obwohl man hier auch sehen muß, daß im Völkerrecht nationales Selbstbestimmungsrecht immer den Vorrang vor Minderheitenschutz hat.
bossel hat geschrieben: ... Territoriale Integrität ist nur ein national(istisch)es Machtspielchen, gerne auch als Entschuldigung für Machtmißbrauch ...
Der Territorialstaat ist die heute zumeist übliche Staatsform und daß der Staat die Gewalt ausübt, liegt in der Natur der Sache.

Mathias
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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Mathias » 30.05.2009, 02:31

bossel hat geschrieben:
hifi hat geschrieben:Weil die meisten Inseln in das Südchinesische Meer bereits von Vietnam und Philippinen besetzt sind. Es ist nicht einfach dort die territorialen Ansprüche durchzusetzen. Das führt zwar immer mal wieder zu blutigen Auseinandersetzungen, aber die Chinesen können sich dort nicht wirklich behaupten.
... Aber man arbeitet daran. Die Marine wird ja kräftig modernisiert & ausgebaut. Natürlich nur zu friedlichen Verteidigungszwecken ...
Erst gestern wurden auf CCTV wieder ein paar Dutzend vietnamesische Fischer gezeigt, die z.Z. (eher unfreiwillig) die Gastfreundschaft der chinesische Marine auf Hainan ganießen.

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von bossel » 30.05.2009, 19:31

Mathias hat geschrieben:Selbst wenn Ablauf und Umstände eines historischen Ereignisses noch bekannt und unstrittig sind, gibt es meist schon mehrere "Wahrheiten". Beispiel: Status des 17-Punkte-Abkommen. Variante 1: Der Vertrag wurde von den rechtmäßigen Vertretern beider Parteien geschlossen. Variante 2: Der Vertrag kam unter militärischem Druck zustande. :?: Beides richtig.
Da widerspricht sich nix, & es sind auch keine unterschiedlichen Interpretationen eines Ereignisses, nur 2 Tatsachen zu einem Ereignis. Verstehe nicht ganz, wo Du da mehrere Wahrheiten siehst.
Der Territorialstaat ist die heute zumeist übliche Staatsform und daß der Staat die Gewalt ausübt, liegt in der Natur der Sache.
In der Natur der Sache? Nicht für mich als Eigentumsrechtler...

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Mathias » 31.05.2009, 00:20

bossel hat geschrieben:
Der Territorialstaat ist die heute zumeist übliche Staatsform und daß der Staat die Gewalt ausübt, liegt in der Natur der Sache.
In der Natur der Sache? Nicht für mich als Eigentumsrechtler...
Öffentliches Recht (Staatsrecht) nicht mit privatem Recht (Verfügungsrecht) vermengen! Jemanden, der wegen rassistischer Äußerungen straffällig ist, klagt man ja auch nicht nach der Bundesartenschutzverordnung an. Gut, das Wort Staatsgewalt mag vielleicht verschrecken, sollte aber als verfassungsgebundene, gewaltenteilende und Hoheitsgewalt verstanden werden.

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von bossel » 31.05.2009, 18:47

Mathias hat geschrieben:Öffentliches Recht (Staatsrecht) nicht mit privatem Recht (Verfügungsrecht) vermengen!
Nanana! Nicht Positives Recht mit Naturrecht vermengen!

Eigentumsrechtler (engl. propertarian, eine Art Libertarier) wie in Selbsteigentum.

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