Tibet - Buddhismus

Tibet liegt im Westen Chinas. Städte in Tibet sind Lhasa (拉萨) und Shigatse (日喀则市),
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Ling Ling
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Tibet - Buddhismus

Beitrag von Ling Ling » 12.10.2007, 22:06

Hallo an alle Interessierten,

vielleicht kann mir jemand weiterhelfen. Ich bin ein ziemlich durchschnittlicher Tai Ji (okay, Taoismus, nicht Buddhismus) Schüler und interessiere mich auch für andere Stilrichtungen des WuShu. Deshalb finde ich Jet Li auch sehr gut. Auf seiner Internetseite habe ich dann gelesen, das er drei Bücher empfhiehlt. Neugierig wie ich war habe ich mir dann "Das tibetanische Buch vom Leben und vom Sterben", Sogyal Rinpoche, in Deutsch gekauft. Mein Englisch ist eher miserabel.
Die ersten 100 Seiten empfand ich als hilfreich. Sie beschrieben, die Praxis der Meditation, die Hinweise auf eine Reinkarnation und soweiter. Natürlich liegt es in der Freiheit des einzelnen daran zu glauben oder nicht. Mich interessierte nur, ob die Argumentationen für mich schlüssig und nachvollziehbar sind.
Danach folgten Beschreibungen der Beziehung zwischen Meister und Schüler. Inhaltlich legte der Autor hier großen Wert darauf, das der Schüler vom Meister nur menschliche Belehrungen erhält, wenn er diesen als Mensch sieht, schafft er es jedoch sein Ich abzulegen und den Meister als Buddha selbst zu sehen, so erhält er vom Meister göttliche und damit viel wirkungsvollere Lehren.
Das jemand ohne Meister erleuchtet werden kann, wird ausgeschlossen. Aber jemand muss ja der erste gewesen sein, der als Mensch dieses Stadium erreichte, oder? Und war das nicht Buddha selbst?
Dann wurde noch erwähnt, das man auch der Erleuchtung einen großen Schritt näher kommen kann, wenn man nur einen Meister sieht.
War der erste Teil des Buches für mich wirklich lesenswert, hatte ich den Eindruck, die weiteren Seiten dienten nur dazu, dem Leser die Legitimation der Meister und deren Führungsanspruch zu begründen. Auch dafür hat das Buch eine Antwort, nämlich, das ich eben noch nicht erleuchtet bin, sonst würde ich die Meister ja nicht in Frage stellen. Das Vorwort des Buches schrieb übrigens der Dalai Lama persönlich, daher nehme ich an, er stimmt mit dem Inhalt überein.
Würde mich freuen, wenn jemand seine Sichtweise oder Erfahrungen zu diesem Thema kurz darstellt, im Voraus schon mal Danke
Peter

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Yuan Qi
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Beitrag von Yuan Qi » 12.10.2007, 23:28

Hallo, Peter

Grüß Dich.

Der tibetanische Buddhismus ist weltweit sehr bekannt. Leider kann ich kein tibetische Sprache verstehen. Im Sinne des tibetanischen Buddhismus kann ich dir nicht weiter viel helfen.

Laut Buddhismus gibt es 84.000 Dharma-paryaya (DharmaSanskrit word, means law, truth, anything Buddhist. It is used in the sense of all things, visible or invisible. Paryaya wird als Eingang auf chinesisch übersetzt.). 84.000 hier weist nicht auf eine konkrete Zahl hin, sonder bedeutet unzählig.

Tibetische Buddhismus ist eine von den unzähligen Dharma-paryaya. In China gibt es auch viel viel Menshen, die sich nach tibetanischem Buddhismus gerichtet.

Buddhismus ist eine Lehre von Buddha, die mit sog. Religion nicht viel zu tun hatte.

Ich würde Dir dabei 1 Tip geben, wenn du nicht übelnehmen würdest.

Wegen der Sprache, die Buddhistische Sutra wurden damals von Sanskrit auf chinesisch (sowie auf tibetanisch) übersetzt, wobei durch den Leuten, die erleuchtet sind, nachgewiesen wurden, die Übersetzung dem buddhistischen Sinne entspricht.

Auf tibetanisch kann ich nicht beurteilen, da ich nicht tibetanisch lesen kann. Aber die Sutra auf chinesisch, die in DA ZANG JING(大藏经) erfasst wurden, entspricht auf jeden Fall dem Sinne des Buddhas(nicht von mir gesagt).

Wenn man wirklich den Sinne des Buddha verstehen möchte, müsste man schon originale Sutra lesen, dabei muss man auch die anerkannte Dokumentationen bei sich haben. Keinesfalls darf man während des Lernen an eigenen Meinungen orientieren, weil laut Buddhismus unsere Wahrnehmung auf dieser Stelle nicht den Realität des Kosmos entspricht.

Daher würde ich sagen, nur fürs Einführen in den Buddhismus kann man die auf english und deutsch lesen. Aber wenn man es wirklich begreifen will, dann kann man sich nicht davon entziehen,dass man die originale Sutra lesen muss(egal tibetanisch oder chinesisch).

Auf meiner Stelle würde ich Dir die chinesische Version empfehlen, weil es auf chinesisch zahlreiche übersetzte Sutra und Dokumentationen sowie Kommentaren gibt. Auf tibetanisch weiss ich darüber nicht Bescheid.

Egal, welche Buddhismus du kennenlernen möchte, können wir durchaus darüber diskutieren, um Meinungen auszutauschen.
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Manuel
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Beitrag von Manuel » 13.10.2007, 16:08

Also ich finde nicht das er unbedingt chinesisch lernen braucht nur um die buddhistischen Sutren zu lesen. Die chinesischen Sutren sind doch selbst bloß eine Übersetzung. Der Mahayana Buddhismus ist selbst schon ein reformierter Buddhismus, es ist längst nicht mehr der Originale Buddhismus. Natürlich kann er auch den chinesischen Buddhismus lernen - aber wenn er den originalen Buddhismus lernen will muss er den Hynayana Buddhismus lernen. Gerade die heutigen Möche in China - die berühmten Mönche - viele davon sind Mitglieder der Kommunistschen Partei - sie glauben nicht mehr wirklich an die Buddhas. Wenn er eines ihrer Bücher, Einführungen und Erklärungen ließt... naja ich will nix schlechtes sagen... aber er hat ja selbst schon gemerkt das auch das Buch was er da schon gelesen hat einem nur beibringt Meister-Verehrung zu betreiben und Spenden zu geben - sowas ist nicht gut. Viele Leute sagen solche Dinge seien gut, weil sie sie nicht wirklich kennen und nicht für das erkannt haben was sie sind. Wohingegen die wirklich guten Bücher von den Kommunisten aufgeschütet und verbrandt werden. Über die guten Bücher schimpft man und die schlechten Bücher werden gefeiert - natürlich ist es so - es ist ein Test für diejenigen die wirklich glauben wollen ob sie das erkennen können.

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Yuan Qi
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Beitrag von Yuan Qi » 13.10.2007, 22:18

Die Sprache ist bloß nur einen Informationsträger. Durch welche Sprache kann man Buddhismus besser lernen, sollte man das zugreifen. Wie gesagt, Buddhismus ist nicht eine Art von Philosophie, Religion oder sonst was anderen. Der ist die Lehre von Buddha, die die Wahrheit des Cosmos erklärt.

Trotzdem man auf chinesisch oder auf originale Sanskrit lesen kann, kann immer nicht festgestellt wird, dass der den Sinne des Buddhas begreifen kann. Daher ist es sehr wichtig, dass sich er durch die anerkannte Dokumenten oder Kommentaren an den Sinne des Buddhas orientiert, falls er wirklich Buddha-Lehre lernen.

Auf dieser Stelle kann ich ihm leider nur chinesische Version empfehlen. Die chinesische Übersetzung (was in DA ZANG JING erfasst werden)sind durch die erleuchteten Leuten, die nicht moderne Chinesen sonder historische Figuren im Bereich des Buddhismus sind, durchaus nachgewiesen, dass die Übersetzungen dem Buddha entspricht. Solche historische Figuren haben leider noch nicht mal gehört, was eine KP ist. Sie sind auch nicht unbedingt Mönche.
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Beitrag von Ling Ling » 14.10.2007, 00:15

Vielen Dank,

bestimmt ist es am besten, direkt an der Quelle zu lernen. Mein Chinesisch ist aber leider noch viel zu schlecht um solche Texte zu lesen.
Der Autor soll, so hab ich es wenigstens aus dem Vorwort des Dalai Lamas verstanden, qualifiziert sein.

Ich habe eine Übersetzung des I-Ging gelesen, von Richard Wilhelm (1873 - 1950). Dieses Buch ist, so weit ich es beurteilen kann, sehr informativ. Ich habe es auch eher als eine Erklärung für die universelle Existenz genommen und nicht als Religion.

Wie Yuan Qi schreibt: "Wie gesagt, Buddhismus ist nicht eine Art von Philosophie, Religion oder sonst was anderen. Der ist die Lehre von Buddha, die die Wahrheit des Cosmos erklärt."
hab ich auch den Buddhismus aufgefasst.

Deshalb hatte ich gehofft, es gäbe auch für den Buddhismus eine für mich leicht zu verstehende Beschreibung, die nicht gleich in eine bestehende Organisation oder politische Richtung führt.

Leider hab ich auch den Eindruck, das es sehr viele Klöster gibt, bei denen Tourismus und Kapital eine sehr große Rolle spielen (Shao Lin Kloster, Po Lin in Hong Kong um nur zwei zu nennen und es nicht auf das politische System zu schieben).

Wir haben mal einem Mönch in Hong Kong Geld gegeben und uns nachher gefragt, warum wir das gemacht haben und den wirklich armen Bettler an einer Straßenecke nicht beachtet haben. Das dann noch eine Gruppe Mönche an uns vorbei ins Spaghetti House essen ging, bestärkte unsere Entscheidung noch.

Der Tip von Manuel sich mit dem Hynayana Buddhismus zu befassen, ist auch eine gute Hilfe.

Was den Kommunismus angeht, na ja, egal welche Ideologie oder Meinung man vertritt, wenn sie extrem wird, bewirkt sie nur ihr Gegenteil.
物极必反 war doch Laozi oder?

Nochmal Danke für die Tips und das Ihr euch die Zeit genommen habt.
Peter

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Beitrag von devurandom » 14.10.2007, 00:43

I-Ging hat aber mit Budhismus soviel zu tun viel Veganer mit Eisbein. Wenn ueberhaupt, ist I-Ging in die Ecke des Taoismus einzusortieren.

Was Yuan Qi mit "Chinesische Vi(er?)sion" meint, ist der Zen-Budhismus. Der Zen-Buhdismus hat aufgrund der Entfernung zu realer politischen Macht einige durchaus interessante Ansaetze, wie eine "anstaendige" und "tolerante" Religion aussehen koennte, wie es auf dieser Welt noch nie gegeben hat. Allerdings haben die Zen-Budhisten das mystische, unbegreifbare, unaussprechbare, der jeder fuer sich ausmachen soll viel zu weit getrieben und wurden spaeter eine Art Ur-Esoterik. Das Phaenomen ist durchaus vergleichbar wie moderne Kunst: Wer's nicht kapiert, ist ne Banause. Also tun alle so, als wuerde er die wirre Symboliken, Meditationstechniken und Aussagen "verstehen". Bereits am Ende der Ming-Dynastie, wo der Zen-Budhismus am buntesten getrieben wurde, wurde unter den chin. Philosophen schon die kritische Stimme an sinnlose Mystifizierung laut. Bei der Beschaeftigung mit Zen-Buhdishmus wuerde ich diesen Aspekt stet im Hinterkopf halten.

Der tibetische Budhismus wird fuer die Beduerfnisse der Regierenden angepasst, wie die urspruengliche Aufgabe der Religionen, also ist dort dier Herrschaftsanspruch und Legitimation fuer Klassenbildungen hoch. Direkt vergleichen kann man diese Variante mit Zen-Budhismus nicht.

Was Manni so schreibt, (die erste Haelfte ist, erstaunlicherweise, durchaus mit Informationen gefuellt) kommentiere ich mal lieber nicht.

Gruss
/dev/urandom
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Buddhismus, Willensfreiheit, Bewusstsein

Beitrag von Sky Darmos » 14.10.2007, 00:56

Yuan Qi hat geschrieben:Die Sprache ist bloß nur einen Informationsträger. Durch welche Sprache kann man Buddhismus besser lernen, sollte man das zugreifen. Wie gesagt, Buddhismus ist nicht eine Art von Philosophie, Religion oder sonst was anderen. Der ist die Lehre von Buddha, die die Wahrheit des Cosmos erklärt.
Inwiefern ist denn der Buddhismus keine Philosopie? Ist es denn kein Ismus wie andere auch?
Was ist Wahrheit? Wer behauptet die Absolute Wahrheit zu kennen, kann nur ein Quaksalber sein, und für soeinen halte ich Buddha nicht.
Das erinnert mich an diverse Bücher, die meinen man muss in sich selbst gehen, um durch Selbstreflektion zur Erkenntnis über alles zu kommen ... alles Wissen verwischt nur die reine Realität, die Wahrheit ... blabla.
Ein gescheiter Philosoph der seine Sache ernst nimmt, wird hingegen feststellen: Nichts nehmen wir direkt war, so können wir auch nichts direkt wissen.
Ich sympathisiere durchaus mit dem Buddhismus ... bisher aber leider nur mit einem unter wahrscheinlich unzähligen, dem Zen-Buddhismus (禪佛教).
Der Zen-Buddhismus erscheint mir als einziger wirklich konsequent. Aus der ständigen Veränderung des Ichs, und seiner Untrennbarkeit aus den Gesellschaftlichen Beziehungen die es geschaffen haben, wird auf die Nichtexistenz des Ich´s geschlossen. Freilich lediglich auf die Nichtexistenz des Terms "Ich" mit seiner bisherigen Definition als Entität mit reinen Eigenschaften, die sich bei Veränderungen erhalten. Er hat also praktisch die Existenz einer "Seele" geleugnet. Wenn man verstanden hat, dass man praktisch nur Teil eines Bewusstseinsnetzes ist, dann sollte man keine Egoistischen Haltungen anderen gegenüber haben. Wenn man sich nur als ein Teil des universellen Bewusstseins begreift, dann erscheint einem die Verletzung eines anderen, wie die eigene Verletzung. Damit das Gefühlsmäßig funktioniert, haben wir ja Spiegelneuronen, die auch von Neurobiologen manchmal "Buddha-Neuronen" genannt werden.
Wenn man Tiere als bewusste Wesen begreift, und das hat Buddha getan, dann darf man Tiere natürlich auch nicht einsperren oder essen, genauso wie man Menschen nicht einsperren oder essen darf.
Die Meditation dient dazu das selbstlose denken und das Denken im allgemeinen zu schulen. Die Meditation hat darüber kein weiteres Ziel. Wenn man es geschafft hat sein Ego zu überwinden, also zum Buddha zu werden, dann kommt man nicht in den Himmel, auch wird nicht irgendeine Wiedergeburtskette abgebrochen, man kommt nur ins reine mit sich selbst und der Welt, man kann sich als Teil des Ganzen verstehen.
Buddha lehnte, soweit ich weiss, die Vorstellung einer Widergeburt mit dem Argument ab, dass eine Wiedergeburt ein "Ich", oder eine "Seele" vorraussetzt, ein Teil des Selbst, das nicht durch Umwelteinflüsse oder die DNA geformt wird, sondern ewig unveränderlich ist, etwas das nicht in Relationen besteht, sondern ein Ding an sich ist. Das wäre ein Unding für den Buddhismus da alles aus Relationen besteht. Nur die Relationen zwischen den Dingen existieren, nicht die Dinge an sich.
Das ist auch unser modernes Weltbild in der Physik. Wo früher verschiedene Stoffe waren, hat sich alles in Relationen zwischen immergleichen Teilchen aufgelöst die an sich nur mathematische Punkte ohne Große sind. So ist Eisen und Kupfer im Grunde der gleiche Stoff, beides besteht aus Elektronen, Protonen und Neutronen, nur die Relationen sind anders. Alles ist vergänglich, vergängliches kann nur in Relationen bestehen, wenn da nichts absolutes ist, das die Relationen formt, dann kann man sagen, die Welt besteht aus nichts. Das ist gemeint, wenn Buddhisten sagen, die Welt ist das Nichts. Man kann es natürlich wiedersprüchlich auffassen, und es soll sicher auch geheimnissvoll klingen, aber was es sagen will ist wohl, dass Buddhisten nicht an einen Anfang der Welt glauben. Für sie existiert die Welt seit jeher.
Sie wird aber erst durch die Wahrnehmung erschaffen, sie existiert nicht unabhängig von ihr, nicht unabhängig von Bewusstsein.
Das dekt sich auch mit meiner Theorie über die Quantenmechanik, und wird auch durch etwa durch die Kopenhagener Interpretation der Quantenmechanik nahegelegt. Demnach würde die Welt vor dem Auftreten von Bewusstsein in einer Superposition all ihrer möglichen Zustände existiert haben, hätte also keinen bestimmten Zustand, keine Form gehabt.
Obwohl sich vieles im Buddhismus mit der Quantentheorie dekt, gibt es doch einen Widerspruch, auf den auch der Dalai Lama aufmerksam macht, nach der Quantenmechanik gibt es echten Zufall, also einen solchen der sich nicht durch genauere Kenntnis des Anfangszustands elliminieren lässt.
Das liegt daran dass ein Teilchen in der Quantentheorie niemals in einem einzigen Zustand alleine ist. Die prinzipielle Grenze der Messgenauigkeit, die Unschärferelation, ist auch eine prinzipielle Grenze der Natur, denn die Natur existiert nicht unabhängig von uns, nicht unabhängig von unserem Wissen um ihre Existenz.
Der echte Zufall, der Quantenmechanik, gibt dem Geist einen Freiraum zur Beeinflussung des Gehirns, das ihn erzeugt. Dadurch wird das Individuum Schuldfähig. Die Grundvorraussetzung jeder Ethik. Ein durch physikalische Zustände völlig determinierter Geist wäre kein Geist. In einem Universum in dem der Weltzustand vor 1000 Jahren, alle heutigen Geschehnisse entscheidet, wäre kein Täter schuldbar und es gäbe keine Ethik.
Die Willensfreiheit ist auch die Grundvorraussetzung für Kreativität, für die Möglichkeit des Geistes sich selbst zu formen. Die Buddhisten glauben, dass sie durch Meditation ihren Geist völlig verändern können, dass das Gehirn durch den Geist errichtet wird.

Kreativität setzt nichtrechnerisches Verhalten vorraus. Ein Unding in einem rein rechnerischen Universum. Es lässt sich formal beweisen dass menschliches Denken nichtrechnerische Elemente enthalten muss. Wenn ein mathematiker etwa einen Beweis führt, etwa dass eine Berechnung x niemals aufhört, dann kann er dabei keinen Algemeinen Algorithmus benutzen, wie ein Computer, ein Computer könnte einen solchen Beweis prinzipiell nicht führen, da er Verständnis, also Bewusstsein eines Problems vorraussetzt, das eine Berechnung nicht hervorrufen kann, denn eine starre Berechnung bewertet nichts, sie folgt nur einem Rechenrezept, das erst jemand verstanden hat, und dann einprogrammiert. Es lässt sich beweisen dass es tatsächlich keinen allgemeinen Algorithmus (Rechenrezept) gibt, um zu beweisen dass eine Berechnung aufhört oder dass sie es nicht tut. Das bedeutet z.B. auch dass niemand ein Buch schreiben kann, mit dem Titel "So beweisen sie dass eine beliebige Berechnung niemals aufhört oder dass sie es doch tut.".
Wenn Menschen also den Rahmen reiner Berechnungen sprengen, dann nur weil es ihnen die Quantentheorie erlaubt.
In einem völlig von Ursache und Wirkung beherschten Universum wäre Geist unmöglich, und somit auch Buddhismus.
Ich weiss nicht in wieweit das dem Dalai Lama klar ist. Vielleicht sind die meisten Buddhisten es nicht gewohnt sich klar und unmissverständlich auszudrücken.

Im Gegensatz zum Zen Buddhismus 禪佛教, gibt es noch viele Abspaltungen. Diese leugnen die Existenz des Ichs nicht. Das Ich ist demnach eine Entität die Wieder und Wieder geboren wird. Um diesem Kreis der Wiedergeburt zu entrinnen, muss man sein "Ich" vergessen, als wäre es eine Einbildung. Die Frage ist nur "Wie kann eine Einbildung wiedergeboren werden?".
Was zu Missverständnissen führt, ist auch dass jemand direkt als Buddha geboren werden kann. Das ist wohl so zu verstehen, dass er zum Representant der Buddhisten wird. Er unterscheidet sich aber nicht in anderer Hinsicht von den anderen. Jeder der wie Buddha lebt, kann Buddha werden (成佛).

Buddhisten sind Veganer (純素食者), die Qual eines Tieres ist für sie genauso schlimm wie die eines Menschen.
Buddhisten ist es natürlich weder erlaubt eine Einzelperson anzugreifen, noch eine Krieg anzufangen. Sie können sie gegen einzelpersonen verteidigen, können aber keinen Verteidigungskrieg führen. Aus diesem Grund haben sie sich auch beim Einmarsch der chinesischen Truppen sofort ergeben.
Buddhisten sind dazu verpflichtet einer Person in Not zu helfen. Wenn etwa jemand angegriffen wird, können sie ihre Kampfkunst auch zur Verteidigung einsetzen. Ebenso hilft ein Buddhist Tieren in Not. Da es die Gesellschaftlichen Normen aber nicht zulassen, wird ein Buddhist einen Schlachter 屠師 nicht davon abhalten seine Arbeit zu tun. Auch wird er ihn nicht öffentlich anklagen, oder aktiv für den Veganismus eintreten, denn Buddhisten haben nicht die Absicht jemanden zu bekehren.
Wenn sie sehen wie ein Tier gequält wird, können sie nur so etwas wie 阿彌陀佛 vor sich hinsagen. Sie sind sehr passiv.

Buddhisten unterscheiden, wie die meisten Veganer nicht zwischen bewussten Lebewesen, und Lebewesen die Robotern gleichen und nach einem festen Programm funktionieren. Deshalb essen sie auch keine Insekten - wie die meisten von uns. Ob ein Lebewesen bewusstseinsfaehig ist haengt laetztlich davon ab, ob Quantenmechanische Effekte in seinem Gehirn eine Rolle spielen. Eine Grundvorraussetzung wäre etwa globale Quantenkohärenz.

Gruß,
Sky.

Ling Ling
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Beitrag von Ling Ling » 15.10.2007, 09:13

Sehr interessante Darstellung von Sky, hilft mir wirklich weiter. Was devurandom schreibt ist natürlich richtig. I-Ging gehört zum Daoismus.
Wie schon geschrieben, bin ich Tai Ji Schüler, habe zwei Lehrer in Hong Kong, bzw. Guilin.
Der ältere der beiden, 67, lebt in Hong Kong. Er hat mir empfohlen das I-Ging zu lesen um Tai Ji besser zu verstehen. Auch das Tai Ji im Ursprung Daoistisch ist. Er selbst ist sehr bescheiden und winkt immer ab, wenn man ihn zu sehr lobt, allerdings war er vor einigen Jahren noch 3. bei den chinesischen Meisterschaften. Also, er ist ziemlich gut in dem was er macht.
Auch sehr weltoffen und einem Bier nicht abgeneigt.
Er wollte unbedingt, das ich einen anderen Meister kennenlernen sollte, eben den Mann aus Guilin. Das ergab sich dann auch. Dieser hatte aber erst später mit Tai Ji angefangen und war vorher 10 Jahre im Shao Lin Kloster, sieht auch aus wie ein Mönch. Auf jeden Fall trainierte er 10 Jahre Shao Lin Kung Fu. Danach entschied er sich für Tai Ji, Chen Style und lernte bei Ma Hong (80).
Ich habe auch etwa 18 Jahre Kung Fu trainiert, aber verglichen mit ihm war dann alles ziemlich lächerlich.
Nach dem Training wurde meist gegessen und die beiden unterhielten sich oft über politische Themen. Im Grunde ging es aber immer nur darum, wie man die politische und gesellschaftliche Entwicklung nach den Prinzipien des Tai Ji beurteilt. Da ist manches meiner Meinung nach recht vernünftig und gut, nur wird im Westen gerne alles in einen Topf geworfen:

Asiatische Weisheit => Buddhismus => Dalai Lama = unterdrücktes Tibet => böses China => giftige Lebensmittel + Lohndumping + gefährliches Kinderspielzeug + Ein-Kind-Politik => "Fahr ich nicht hin"

Nun unterrichte ich in Kliniken Tai Ji, oft auch mit psychisch Kranken. Tai Ji ist dabei sehr hilfreich. Aber das ist jetzt ein anderes Thema. Nur wird man dann oft gefragt, ob man Buddhist sei weil man Tai Ji unterrichtet. Außerdem haben solche Leute oft die Tendenz sich in Traumwelten zu flüchten. Deshalb wäre sowas wie die von devurandom beschriebene "Ur-Esoterik" bestimmt nicht das was solche Leute brauchen, seine Warnung berechtigt.

Ich bin der Meinung, bevor ich einem anderen ein Buch empfehle, sollte ich es selbst gelesen und auch verstanden haben.
Das Problem ist aber, das die Leute wollen, das man ihnen ein Buch eines Dalai Lamas oder anderen berühmten Menschen empfiehlt. Ein eher neutrales Buch ist einfach nicht interessant genug weil es ja keine Lösungen verspricht. Und das Lächeln des Dalai Lamas ist eben auch ein unschlagbares Kauf-Argument für seine Bücher. Aus diesen Gründen habe ich bisher auch kein Buch empfohlen und einfach zugegeben, das ich mich mit Buddhismus nicht auskenne. Ich empfehle dann eher Bücher wie Konrad Seitz "China - Eine Weltmacht kehrt zurück."
Eben auch wegen " ... => Fahr ich nicht hin"

Privat kenne ich zwar Buddhisten, so hab ich mal fast 2 Jahre in einem asiatischen Restaurant gejobt. Die Besitzerin, Laotin, und ihr Mann Chinese, waren Buddhisten. Aber das war ein chaotisches Durcheinander von verschiedenen Religionen, mal Buddha, mal Geister ...
Aber bei uns ist ja auch nicht jeder, der sich an die 10 Gebote halten will und Weihnachten feiert ein Experte in Bibel-Exegese oder Moraltheolgie.

Skys Informationen sind sehr hilfreich, sowas hab ich eigentlich gesucht.

Danke für Eure Infos und das ihr euch die Zeit für eine so ausführliche Beantwortung genommen habt.
Grüße, Peter

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Yuan Qi
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Beitrag von Yuan Qi » 15.10.2007, 10:46

Leider muss ich noch bißchen dazu sagen.

chan(zen) -Buddhismus禅宗(禅佛教ist nicht ganz korrekt) ist nicht einziger Chinesischer Buddhismus.

I-Ging (易经)(绝不是 单一道家思想)darf man nicht nur unter Dao-Schule einordnen.
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