Mittelstand in China und Europa

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rundherum
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Mittelstand in China und Europa

Beitrag von rundherum » 18.06.2015, 10:52

Bin kürzlich auf den Forenbeitrag des suppitupi, dessen Schwiegereltern einen BMW X3 zur Hochzeit schenken wollten, gestossen (http://forum.chinaseite.de/ftopic19592.html). Während die Familie der Braut sich als Mittelstand sehen, schrieben die deutschen Forenmitglieder dass die nie im Leben Mittelstand seien.

Auch in meinem persönlichen Umfeld sehe ich ständig, wie sich in Europa auch quasi die ganze Arbeiterklasse als Mittelstand definiert, während man in China quasi Arzt oder Anwalt sein muss um dazu zu zählen. Mich würde daher interessieren: Was ist eure jeweilige Definition? Wie sehen das eure chinesischen Bekannten?

Für mich persönlich liegt die Grenze zum Mittelstand in der Schweiz bei einem Jahreseinkommen von etwa 100.000 Euro pro Haushalt. Wenn Kinder vorhanden sind, vielleicht etwa 120.000 Euro. Das deckt sich auch in etwa mit der Definition der eidgenössischen Regierung. Zusätzlich halte ich Wohneigentum noch für eine Anforderung - d.h. in der Schweiz ein Nettovermögen von c.a. 250.000 Euro (da man ja einen Grossteil über die Hypothek finanzieren kann).

Meine Frau findet man ist Mittelstand, wenn man eine eigene, halbwegs zentralgelegene Wohnung in HK besitzt (ohne Hypothek). Das bedeutet, man bräuchte ein Vermögen von c.a. 500.000 Euro, um zum Mittelstand zu zählen. Zudem genügend Einkommen, um für das Leben und die Bildung der Kinder problemlos aufzukommen - d.h. etwa 85.000 Euro im Jahr. Ich für meinen Teil hielte dies bereits für ein hartes Leben: 40 Quadratmeter Wohnung mit zwei Kindern? Nein danke...

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zuther675
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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von zuther675 » 18.06.2015, 11:36

es ist schon grundsätzlich falsch, den europäischen Mittelstand mit dem asiatischen zu vergleichen, und besonders den aus der Schweiz, der sowieso über dem durchschnittlichen europäischen liegt 8)

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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von rundherum » 18.06.2015, 11:51

es ist schon grundsätzlich falsch, den europäischen Mittelstand mit dem asiatischen zu vergleichen, und besonders den aus der Schweiz, der sowieso über dem durchschnittlichen europäischen liegt 8)
Warum? Gerade Hongkong und Europa haben ja viele Gemeinsamkeiten. Hong Kong war ja bis 1997 sogar Teil von England und damit europäisch.

Natürlich, Festlandchina und Europa sind zwei paar Schuhe. Aber die Definitionen und Interpretationen des Begriffs "Mittelstand" sind dennoch interessant zu sehen. Wir haben ja in Europa so etwas wie einen Mythos um das Wort aufgebaut - vom ärmsten Bauarbeiter bis zum reichsten Milliardär bezeichnen sich Leute als Teil des Mittelstandes, jeweils mit anderen Begründungen.

PatrickB
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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von PatrickB » 18.06.2015, 12:29

Laut wiki Mittelschicht:

1 Person von 11.200€ bis 24.000€ Nettoäquivalenzeinkommen
2 Personen von 16.800€ bis 31.200€ Nettoäquivalenzeinkommen
2 Personen + 2 Kinder von 23.520€ bis 50.400€ Nettoäquivalenzeinkommen

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egon
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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von egon » 18.06.2015, 12:29

Die Definition über das Einkommen und Vermögen machen zu wollen, ist doch Quatsch.
Klar klingt es schön, wenn man 100000 Euro im Jahr verdient. Nur wo liegen die Kosten in der Schweiz, verglichen mit Europa? In der Schweiz kann ich von 100k gut leben, in Osteuropa bin ich Gott in Frankreich.
Gehe ich in der Schweiz zu McDoof zahle ich knapp 20 CHF. In Tschechien zahle ich etwa die Hälfte, aber für 2 Personen.
Selbst innerhalb eines Landes bestehen grosse Unterschiede. Beispiel Schweiz: Wohne ich in einer kl. Stadt, zahle ich schnell 2000 CHF Miete im Monat. Eine vergleichbare Wohnung nur 15km weg auf dem Land kostet die Hälfte oder sogar weniger. So, was ist nun Mittelstand? Der, der 2000 CHF im Monat für ne Wohnung hinblättern kann, oder der, der sich von den gesparten 12000 im Jahr aller 3-5 Jahre einen schicken Mittelklassewagen leistet?
Wer kriecht, der stolpert nicht.

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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von rundherum » 18.06.2015, 14:33

Laut wiki Mittelschicht:

1 Person von 11.200€ bis 24.000€ Nettoäquivalenzeinkommen
2 Personen von 16.800€ bis 31.200€ Nettoäquivalenzeinkommen
2 Personen + 2 Kinder von 23.520€ bis 50.400€ Nettoäquivalenzeinkommen
Interessanter Approach.
In dem Artikel steht weiter, dass Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung verwendet folgende Definition:
70 Prozent, als obere Grenze 150 Prozent des gemittelten Äquivalenzeinkommens.
Damit wäre man in Hongkong, wo das Medianeinkommen mit EUR 16200 pro Jahr kaum höher als Deutschland (EUR 16000) ist, quasi gleich auf.

Interessant ist, dass das chinesische Statistikbüro für China die Definition von Mittelklasse ähnlich sieht: Man muss CNY 60.000 bis 500.000 (EUR 8.600 - 71.500) verdienen, um Mittelklasse zu sein. McKinsey hat das obere Ende für seine Analysen auf CNY 229.000 (EUR 32.700) gekürz, das untere Ende aber bei 60.000 belassen. Der rein monetäre Unterschied zwischen Chinas und Deutschlands Mittelklasse ist also klein - die Arbeiterklasse und das Präkariat in China aber umso grösser.

Ich hab' die Daten für 2014 noch nicht, aber 2013 verdiente ein mittlerer chinesischer Stadthaushalt etwa CNY 27.000. Würde die westliche Mittelstandsdefinition hier angewandt, müsste man zwischen CNY 18,900 und 40,500 verdienen, um zur Mittelschicht zu gehören. Wer also über 3400 RMB im Monat verdient, ist nach westlichem Verständnis Teil von Chinas Oberschicht.
Die Definition über das Einkommen und Vermögen machen zu wollen, ist doch Quatsch.
Das mag es sein - aber wie würdest Du's sonst machen? Das Einkommen kann natürlich jeder ausgeben, wie er will.

Das englische Modell definiert die Zugehörigkeit für die untere Klassen (Unterschicht, Arbeiterklasse, untere Mittelschicht) über die Bildung und Berufstätigkeit und für die oberen Klassen (Obere Mittelschicht, Oberschicht) über das Familienerbe und den gesprochenen Soziolekt. Das ist aber statistisch schwierig zu erfassen. Würdest Du so ein Modell vorschlagen?

Ist die Mittelschicht demnach eine Frage der relativen Position innerhalb einer Gesellschaft, oder eine Frage des materiellen Wohlstandes und des Lebensstandards, den man sich leisten kann? Die westlichen Definitionen legen ersteres nahe, die chinesische Definition letzteres.

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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von mazzel » 18.06.2015, 15:31

rundherum hat geschrieben:
Meine Frau findet man ist Mittelstand, wenn man eine eigene, halbwegs zentralgelegene Wohnung in HK besitzt (ohne Hypothek).
Na kein WUnder, dass der chinesische Mittelstand so klein ist... So viele Wohnung wie es Mittelstand in Mainland China geben sollte, gibt es in Hong Kong ja gar nicht :mrgreen: :mrgreen:

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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von canni » 18.06.2015, 15:39

Ich habe mal meine Frau dazu befragt. Sie meinte, also im Vergleich zu chinesischen Männern gehörte ich doch eindeutig zum Hochstand und nicht zum Mittelstand... tztzt sie meinte wohl Oberklasse .. diese übersetzungen auch immer.


Da fällt mir ein, frühere hatte ich mal einen Kunden aus hannover, der hiess Hochstetter & Lange haha...
aber das ist eine andere Geschichte..
Das Leben ist manchmal wie jemand, der Dir eine Tafel Schokolade hinhält und wenn Du reinbeisst merkst Du, dass es eine Zitrone ist. Mogelpackung.
Wenn du eine Sprache nicht oder nicht richtig sprichst, solltest Du zumindest ein guter Pantomime sein....

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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von Sugoi » 18.06.2015, 15:56

rundherum hat geschrieben:
Die Definition über das Einkommen und Vermögen machen zu wollen, ist doch Quatsch.
Das mag es sein - aber wie würdest Du's sonst machen? Das Einkommen kann natürlich jeder ausgeben, wie er will.
Grenzüberschreitende Vergleiche machen diesbezüglich in meinen Augen in der Tat nur wenig Sinn.

Zumal das Ganze sehr subjektiv ist. Was für den Einen "mittelständischer Standard" ist, mag für den Anderen bereits "königlicher Luxus" sein.

canni hat geschrieben:Ich habe mal meine Frau dazu befragt. Sie meinte, also im Vergleich zu chinesischen Männern gehörte ich doch eindeutig zum Hochstand und nicht zum Mittelstand... tztzt sie meinte wohl Oberklasse .. diese übersetzungen auch immer.
Im Vergleich zu den Schweizern wären Sie dann vermutlich höchstens "untere Mittelschicht". ^_~

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Re: Mittelstand in China und Europa

Beitrag von Sugoi » 18.06.2015, 16:24

(konnte meinen Beitrag oben leider nicht mehr ändern)

Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass Einkommen und Vermögen nicht unbedingt etwas bedeuten müssen. Ich kenne genügend Leute, die Teilzeit arbeiten um entsprechend mehr (Frei-)Zeit zu haben.

Zeit zu haben ist für mich jedenfalls der so ziemlich der größte Luxus (nach Gesundheit!). :wink:

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