Chinesischer Austauschschüler

Hier können Benutzer Fragen rund um die Themen Verhalten in China, angemessene Geschenke und die chinesische Etikette stellen und diskutieren.
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Sachse28
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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von Sachse28 » 28.11.2014, 08:54

Switzer hat geschrieben:Guten Tag,

wir haben uns für ein Schüleraustauschprogramm beworben und sind nun auserwählt worden.
Meine Frau freut sich riesig auf den baldigen Gast aus Fernost denn sie liebt die asiatische Küche wie Chinanudeln und Frühlingsrollen, ich sehe die Sache noch etwas skeptisch.....

Soweit, sogut.

Natürlich habe ich jetzt viele Fragen, die ich euch gerne stellen würde. Auf die bereitgestellten Infobroschüren ist nicht immer Verlass. Ich spreche aus Erfahrung. Als wir damals in Neuseeland als Begrüßung die Zunge herausgestreckt haben, wurden wir des öfteren ausgelacht, einmal sogar beleidigt.

Deswegen komme ich mit meinen Fragen auf euch Experten zu.

1. Aufgrund der langen Geschichte Chinas haben wir uns für den Tag der Abholung unseres AS etwas ganz besonderes überlegt. Nach der Begrüung am Flughafen würden wir ca. 3 Stunden in unsere Region fahren. Dann möchten wir ihn mit auf eine Besichtigungstour aller Kirchen der Region (ca. 16) mitnehmen. Meint ihr es wäre interessant für ihn oder sollten wir uns auf die 8 katholischen Kirchen beschränken?

2. Wird er wirklich an böse Geister denken, wenn ich die Stäbchen in den Reis stecke? Wir haben für den ersten Abend chinesische Reispfanne geplant (extra Schüsseln und Stäbchen gekauft)

3. Was ist dran am Milch-Mytos? Wir trinken gerne frische Vollmilch, meint ihr ihn wird das stören?

4. Sind Geschenke bei der Begrüßung wirklich üblich? Wir hatten an etwas persönliches gedacht. Meine Frau strickt gerne. Ein paar Socken und einen Pullover. Allerdings sind diese aus Schaafswolle. Mein ihr das wird ein Problem darstellen?

5. Natürlich haben wir, vor allem ich viele Fragen, ggf. auch kritische.
Nun würde ich gerne wissen, was Tabu-Themen sind. Düfre ich ihn z.B. auf den Kommunismus in China ansprechen und sein Standpunkt dazu? Und seine Meinung zu Mao?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir die Fragen beantworten könntet.

weitere Folgen.

Vielen Dank

Mfg
Lieber Switzer, bitte versetz Dich doch mal in seine Position. Würdest Du Dir alle Tempel in einer chinesischen Region anschauen wollen? Möchtest Du, dass Deine chinesischen Gasteltern Dir Bratwurst aus Hundefleisch braten oder Dir selbsthergestellten Käse (der Austauschschüler aus der Schweiz) anbieten? Und einen traditionellen Anzug schenken? Am besten einen Mao-Anzug einschließlich Mao-Bibel und'ner Mütze mit einem roten Stern?

Und natürlich wollen alle, dass Du Dich beim Essen wohlfühlst und haben daher alle Bierkrüge besorgt und Essbesteck, obwohl sie nicht gut damit umgehen können.

Und am Abend wollen natürlich alle wissen, an welchen Fronten der Uropa im 2. Weltkrieg gekämpft hat (falls Du Deutscher bist) und was denn dessen Cousin so alles denn genau als SS'ler in Buchenwald gemacht hat. Danach wird das Horst-Wessels-Lied angestimmt, welches die Gastfamilie auf Deutsch einstudiert hat, um dem Gast mit dem "schönen" deutschen Liedgut zu beglücken. Natürlich wird dazu in einem zackigen Marsch im Kreis unter Beteiligung der Nachbarn marschiert. Und falls Du Schweizer bist, dann wollen die bestimmt, dass Du Dich für die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg einen ganzen Abend lang rechtfertigen musst. Am nächsten Tag wird dann eine öffentliche Selbstbeschuldigung wie zu Mao-Zeiten erwartet.

Ich glaube mal, Du bist dann nicht gern dort zu Gast und sitzt gern freiwillig im nächsten Flieger.

Denk doch mal, was wohl so ein Austauschschüler für Wünsche hätte. Mal mit'nem BMW und 350km/h über eine Autobahn brettern, einen flotten Dreier mit zwei vollbusigen, blonden westlichen Frauen in einem Puff, einen Oktoberfestbesuch mit Bier-Gelage, durch die Schweizer Alpen klettern, ein paar schöne Städte besuchen. Euch wird bestimmt noch was einfallen .... zur Not kann er sich ja schon mal spätere Unis zum studieren hier anschauen.
Vorsicht! Kann Spuren von Ironie enthalten.

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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von ingo_001 » 28.11.2014, 10:53

canni hat geschrieben:Ich finde Deine Fragen auch ein bisschen naiv aber mein Gott, was glaubt ihr Kritiker hier, was ein Chinese fragt wenn er einen Deutschen zum ersten Mal zu Gast hat?

Am geilsten finde ich, wenn hier einige den Lebensstil des TS, den sie gar nicht kennen an den Pranger stellen. Was glaubt ihr, wie einige von den Spiessern in GER unseren Lebensstil in China finden? Welche Vorurteile da bestehen?
Canni, zeige mir bitte EINEN Chinesen, der analog zum TS ein solches "Programm" auffährt.
Und es geht mir primär nicht um die Fragen, die können ja auch ruhig naiv sein.

ABER: Alleine schon der Kirchen-Part und die Verbote.
Das sagt schon einiges über Lebensstil und Weltanschauung aus ...

Die soll auch jeder nach seinem Gusto haben und danach leben.
NUR: Andere (zumal Austauschschüler) diesen aufzuzwingen - DAS GEHT GAR NICHT.

Religionen sind ne feine Sache, für die die sie brauchen.
ABER: DAS ist des Guten zuviel.
Leben und leben lassen - nur so wird ein Schuh draus.

Amen.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.

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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von Christian1989 » 28.11.2014, 11:23

Ich denke, der Fragesteller hat genau wg. solcher Sachen hier gefragt.

Ich dachte halt anfangs, vllt. läuft das alles über eine christliche Organisation und der Gastschüler ist selber Christ. Dann wäre einiges unproblematischer. Ansonsten:

"Zu Hause ist wo sich dein Wifi automatisch verbindet"...

Wenn das Smartphone nicht 24/7 mit dem Internet verbunden ist, ist das schon kompliziert... Gerade da Asiaten sehr technikaffin sind, während sich ja gerade Deutschland und andere europäische Staaten von der Technik losgesagt haben weshalb der ICE auch immer so langsam durch die Gegend tuckert... Weshalb unsere U-Bahnen scheinbar aus dem vorletzten Jahrhundert stammen...

Also, von vielen Koreanern weiß ich persönlich, dass die nur aus einem Grund für ein Schuljahr ins Ausland sind, und das war, endlich vom koreanischen Schulsystem befreit zu sein. Alles andere war egal. Einfach nur Freiheit genießen... Nun sind sich das koreanische Schulsystem und das chinesische relativ ähnlich, wobei in China, glaube ich, noch samstags Schule stattfindet... Deshalb könnte es sein, dass er auch nur weg von dem Schulsystem will, einfach mal 'ne Pause vom ganzen lernen und die eigene Freizeit genießen... Bei Internetverbot wäre es dann hingegen, als würde er ins Gefängnis kommen...

Viele chinesische Studenten, die ich getroffen habe, "wechatten"/videotelefonieren jeden Tag mind. eine halbe Stunde mit den Eltern und schicken sich auch so über den Tag verteilt Text- und Audionachrichten. Ich fand das immer sehr beachtlich, da ich selten mit meinen Eltern telefoniere oder skype... Manchmal nur einmal im Monat... Selbst wenn ich im Ausland bin... Aber bei manchen ist das halt beachtlich anders.... Das nur mal zur Wichtigkeit des Internets als Kommunikationsmittel.

Viele chinesische Studenten haben auch kein Fernsehen, vor allem wenn sie im Studentenwohnheim leben... Hier handelt es sich jetzt um einen Schüler, der bestimmt noch bei seinen Eltern wohnt... Aber dennoch ist der Laptop/Smartphone/Tablet das Hauptunterhaltungstool für alles. Damit kann man schön Filme und Serien auf chinesisch streamen...

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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von Laogai » 28.11.2014, 11:47

Christian1989 hat geschrieben:[...] wobei in China, glaube ich, noch samstags Schule stattfindet [...]
Da glaubst du falsch. Auch die chinesischen Schüler gehen nur von Montag bis Freitag in die Schule.
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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von Shenzhen » 28.11.2014, 12:29

Laogai hat geschrieben:
Christian1989 hat geschrieben:[...] wobei in China, glaube ich, noch samstags Schule stattfindet [...]
Da glaubst du falsch. Auch die chinesischen Schüler gehen nur von Montag bis Freitag in die Schule.
Da glaubst du genau so falsch - Im Internat meines schwipp-Neffen faengt der Unterricht Sonntag abend um 19 Uhr an, Samstag gibt es auch noch eine Morgenstunde, um 10 ist Schulschluss. Samstag abend und Sonntag frueh bekommt er Nachhilfe. Wie viel Freizeit bleibt kann sich jeder selbst ausrechnen....

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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von Laogai » 28.11.2014, 12:58

Shenzhen hat geschrieben:
Laogai hat geschrieben:
Christian1989 hat geschrieben:[...] wobei in China, glaube ich, noch samstags Schule stattfindet [...]
Da glaubst du falsch. Auch die chinesischen Schüler gehen nur von Montag bis Freitag in die Schule.
Da glaubst du genau so falsch - Im Internat meines schwipp-Neffen faengt der Unterricht Sonntag abend um 19 Uhr an, Samstag gibt es auch noch eine Morgenstunde, um 10 ist Schulschluss. Samstag abend und Sonntag frueh bekommt er Nachhilfe. Wie viel Freizeit bleibt kann sich jeder selbst ausrechnen....
Das mag in manchen Privatschulen auch so sein, in öffentlichen Schulen, und damit der Majorität, jedoch ist am Freitag Feierabend.
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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von Shenzhen » 28.11.2014, 14:32

Laogai hat geschrieben:Das mag in manchen Privatschulen auch so sein, in öffentlichen Schulen, und damit der Majorität, jedoch ist am Freitag Feierabend.
Da denkst du leider zum xten male falsch - das ist eine staatliche Schule - OK fuer die "gehobenere Gesellschaft", aber trotzdem eine "normale" staatliche Schule...
China ist gross nur weil du keine Schule kennst bei der Samstag und Sonntag unterrichtet wird heisst es nicht, dass es das nicht gibt....

mit Pauschalaussagen kommt man meist nicht weit - evtl. das naechste mal ein "meisten", "normalerweise", "ein Grossteil" mit einbauen, dann klappt es auch mit Korrekturversuchen an anderer Leute Postings...

Es ist auch durchaus normal, das Schueler, gerade von etwas betuchteren Leuten, die Mo-Fr. Schule haben am Wochenende "Nachhilfe" bekommen - das ist zwar keine Schule im eigentlichen Sinn aber man koennte durchaus sagen, dass sie auch am Sa. und So. schulische Taetigkeiten nachgehen die ueber die normalen Ahusaufgaben hinausgehen.

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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von Haima » 28.11.2014, 16:24

Hallo,

Um total OT zu werden: Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass an Samstagen sehr oft zur Schule gegangen wird.
Meine Frau war gerade zu Besuch bei ihren Eltern. Die Tochter des Bruders war am Sonntag Nachmittag drei bis vier Stunden zu Hause. Ansonsten immer in der Schule. Inkl. Samstag und Sonntag Morgen.... Prüfungen stehen an, hat es geheissen....

Grüsse

Haima, der auch nur ein Beispiel schreibt....

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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von sweetpanda » 28.11.2014, 17:02

Also meine Frau hat mir gerade erzählt, dass es in staatlichen Schulen eigentlich keinen Unterricht am Wochenende gibt.
Wenn dem nicht so wäre müsste man amnesty interational bemühen.
Was hatte ich für ein tolles Leben...Schule fasst immer um 13Uhr zu Ende, Fußweg nach Hause 5 Minuten und wenn am nächsten Tag keine Klassenarbeit anstand, war ich spätestens um 14:30 fertig mit allem. Danach konnte ich bis 19Uhr machen was ich wollte. Ich war nie in irgendeinem Verein und habe die Nachmittage völlig Selbstbestimmt verbracht. Das konnte auch -Gott bewahre- 6 Stunden Nintendo bei einem Kumpel gewesen sein.
Alle 2 Wochen gab es "Arbeiten und Spielen", dann konnte man unter Aufsicht der Lehrer "spielen".
Ganz toll diese Scheiße haben die Kinder heute jeden Nachmittag.
Ich hatte nie Probleme mit Lehrern oder der Schule aber nach 6-7 Stunden muss Schluss damit sein.
Wann kann man denn da als Junge mal mit einer Steinschleuder, Luftgewehr oder Chinaböllern spielen? Wann kann man mit 50kmh mit dem Mountainbike einen Waldweg runter rasen?
Ich weiß heute noch nicht warum keiner von uns im Rollstuhl gelandet ist oder ein Auge verloren hat. :mrgreen:

Ich sehe es heute an meinen Nichten und Neffen. Ab 7:30 aus dem Haus und nie vor 16:00 zurück.
Für mich wäre dies als Kind genauso schlimm gewesen wir Teppichknöpfen in Indien.

Aber Hauptsache beide Eltern gehen ihr ganzes Leben immer Vollzeit arbeiten.....
Das ist ein ganz großes soziales Experiment welches da seit 10 Jahren abläuft. Kinder haben keinerlei
unverplante Zeit mehr. Die erste Generation die das mitmachen musste ist bald Erwachsen.
„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben so trübsinnig machen.“

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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von Shenzhen » 28.11.2014, 17:14

sweetpanda ich bin voll bei Dir - ich bemitleide meinen Schwipp-Neffen, aber machen kann ich nichts, er ist jetzt am Wochenende immer bei uns weil seine Nachhilfsschule bei uns um die Ecke ist. Raus gehen, Freunde treffen oder mal Bloedsinn machen ist so gut wie unmoeglich, obwohl wir Kinder aus der gleichen Schule und Klasse in der Anlage wohnen haben sehen sie sich nur wenn sie gemeinsam von einem Elternteil zur Schule gefahren werden.
Er sitzt dann Samstag spaet abens nachdem er aus der Nachhilfe kommt noch vor dem Computer und bueffelt Englisch, Sonntag nach der Nachhilfe nach dem Mittag hat er dann Hausarbeit zu machen, nachmittags gehts dann wieder in die Schule - manchmal "erwische" ich ihn wenn er irgend ein Game auf dem Ipad spielt anstatt zu lernen oder HA zu machen....
In den Ferien (wenn er ausnahmsweise keine Nachhilfe hat) weiss er dann nichts mit sich anzufangen - keine Hobbys, keine Freunde, keine Idee was er mit sich alleine anfangen soll - d.h. er sitzt den ganzen Tag vorm Ipad was dann naturlich auch wieder Diskussionen mit der Mutter gibt warum er die Zeit nicht besser mit lernen verbringt....

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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von ingo_001 » 28.11.2014, 17:39

sweetpanda hat geschrieben:Also meine Frau hat mir gerade erzählt, dass es in staatlichen Schulen eigentlich keinen Unterricht am Wochenende gibt.
Wenn dem nicht so wäre müsste man amnesty interational bemühen.
Na dann will ich Dich mal schocken :mrgreen:
Ich musste Samstags auch zur Schule - und das in den antiautoritären 1970ern, wo der Untergang des dt. Bildungswesens diskutiert wurde wegen ... der Seesamstrasse :x

Wenn ich mich noch richtig erinnere, dann war auch in der "Gymität" (Anfang der1980er) noch Samstags-Unterricht angesagt.

Aber natürlich ist der Leistungsdruck in chin. Schulen viel größer, als er damals hier war.
Und zu den Nachhilfe- und Extrakursen für z.B. Englisch, Klavier etc ...: Das ist das diametrale Gegenstück zu dem, was viele Schüler hier machen - oder besser: Nicht machen.

Alle Kids unserer Freunde in China werden durch dieses "Bildungs-Survival-System" gejagt, wenn auch nicht so extrem, wie wirs verschiedentlich von anderen sehen.
Bleibt nur zu hoffen, dass das ohne größere Spätfolgen bleibt.
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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von sweetpanda » 28.11.2014, 17:42

Das mit der ganze Nachhilfe artet zu einem wahren Wettrüsten aus. Früher gab es einige Streber die sich damit einen Vorteil verschaffen konnte. Wenn ein deutsches Kind heute "vernünftige" Eltern hat, schleppen sie den Kleinen auch zu allen möglichen Angeboten/Nachhilfe etc.
Während sich in meiner Schulzeit vielleicht 1-2 Strebermädchen die Kindheit kaputt machen ließen, wird es heute bei jedem gemacht. Am Ende steigt das ganze Niveau der Klasse und die Notenverteilung ist wieder so wie zu meiner Zeit, nur das alle Kinder jetzt keine Freizeit mehr hatten.
Nachhilfe war zu meiner Zeit eine befristet Notmaßnahme wenn man irgendwo 4- stand.
Vielleicht einen Monat und dann hat man es geschafft oder manche eben nicht.

Ich bin so ein alter "Sozialdarwinist" und behaupte, dass wenn alle Kinder ein Maximum an Aufwand in die schulische Leistung stecken, kommt es nur anfänglich zu einer Rechtsverschiebung der Normalverteilung, die Lehrer werden dann eben die Klassenarbeiten verschärfen, denn wenn sie keine Fünfen beim Direktor abgeben können, bekommen sie auch Probleme.
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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von sweetpanda » 28.11.2014, 17:46

ingo_001 hat geschrieben: Ich musste Samstags auch zur Schule - und das in den antiautoritären 1970ern, wo der Untergang des dt. Bildungswesens diskutiert wurde wegen ... der Seesamstrasse :x

Wenn ich mich noch richtig erinnere, dann war auch in der "Gymität" (Anfang der1980er) noch Samstags-Unterricht angesagt.

.
Ich glaube, dass war bei mir die ersten zwei Jahre in der Grundschule auch so. Aber nur 4 Stunden und fand auch schnell eine Ende.

Sonst hätte man diese Kampagne anders nennen müssen:
Samstags gehört der Bube mir!

http://diewirtschaftswunderzeit.de/Word ... ti-mir.jpg
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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von sweetpanda » 29.11.2014, 15:15

Leider hat der Schwitzer noch immer nicht erzählt wie alt die Knaben/Buben sind.

Die Unterrichtssprache ist also Deutsch? Ich nehme an Schweizerdeutsch...oder?

Meine Frau lebt nun 15 Jahre in Deutschland, hat hier ein Diplomstudium absolviert, arbeitet seit Jahren in Deutschland, nur mit Deutschen und spricht Chinesisch eigentlich nur noch per Telefon mit ihren Eltern. Fremde die etwas oberflächlich sind, behaupten manchmal sogar, dass sie keinen Akzent mehr habe.
Trotzdem kann sie im Urlaub Schweizer, Bayern oder Tiroler nur dann verstehen, wenn die sich bemühen Hochdeutsch zu sprechen.

https://www.youtube.com/watch?v=E3-UfPCubsE

Können eure Partner mit verschlossenen Augen dieser "Sprache" folgen?
Verstehen sie, dass es ein Wetterbericht ist?

Ein Jugendlicher mit ein wenig chinesischem Schuldeutsch schon dreimal nicht.



Ein jugendlicher Chinese ist aus ihrer Sicht nach 2-4 Jahren "Schuldeutsch" in China absolut nicht in der Lage einem Schweizer Unterricht zu Folgen.
Wenn man sich dieses mal ehrlich vor Augen hält, kann man den Wahrheitsgehalt der Geschichte sehr schnell einordnen. Ein Austausch von 2 Wochen ist ok, stiftet nur etwas Verwirrung bei dem Jungen, mehrere Monate in der Schweiz sind bei der Rückkehr in China vielleicht sogar ein "verlorenes" Schuljahr.
Ob er überhaupt weiß, was Knaben /Buben sind?
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Re: Chinesischer Austauschschüler

Beitrag von ingo_001 » 13.12.2016, 14:53

Switzer hat geschrieben:Kurzes Update:

Mir wurde hier zwar nicht geholfen und einige Teilnehmer haben sich ziemlich daneben benommen, aber trotzdem würde ich gerne von unserer Erfahrung berichtigen.
Natürlich wurde Dir/Euch durch Infos, Tipps und Ratschläge geholfen.
Aber Du scheinst unter Hilfe nur das Lobpreisen Eurer Engstirnigkeit zu verstehen ... :(
Switzer hat geschrieben:Falls es einige nicht interessier! Lieber überspringen!
Ich habs gelesen - insofern also danke fürs Update.
Switzer hat geschrieben:Wir hatten geplant den Austauschschüler für ein Jahr unter unsere Fittiche zu nehmen. Als er Anfang 2015 zu uns ankam, waren wir noch guter Dinge.

Der Bub erschien am Flughafen, wir hatten ein Willkommensplakat mit seinem Namen vorbereitet. Er schien allerdings etwas schüchtern zu sein und zeigte seine Freude nicht offen. Ich habe in den nächsten Wochen erfahren dürfen, dass Chinesen eher ein verschlossenes Volk sind.
Also Du würdest gleich überschwenglich auf Deine Gastfamilie zustürmen, die noch dazu aus einem anderen Kulturkreis kommt, wenn Du an seiner Stelle wärst ... interessant.

Seine Reaktion war völlig normal.
Switzer hat geschrieben:Wir brachten ihn also nach Hause und zeigten ihm sein neues Reich für die nächsten Monate und klärten ihn über alles auf (Hausregeln, Tischgebet, Sonntags heimpflicht etc.) Er hatte dies sehr gut aufgenommen.
Hausregeln - dacore ... aber erzwungenes Tischgebet ... Grundgütiger :shock: :roll: :twisted:
So etwas nenne ich, wie es ist: Der Anfang einer Zwangsmissionierung :roll:
Bis auf die Androhung körperlicher Strafe bei Zuwiderhandlung unterscheidet sich Euer Weltbild in Glaubensfragen (was das System als Solches angeht) nicht viel von dem der Salafisten ... klingt hart und überspitzt, trifft aber m.E. zu.
Switzer hat geschrieben:Gleich am ersten Tag jedoch verzog Guowei sich auf sein Zimmer und wollte etwas ruhe haben. Er hatte ca. 10 min nach Ankunft nach dem Wlan Passwort gefragt. Um des lieben Friedens Willen haben wir es ihm für den ersten Tag gegeben.
"Um des lieben Friedens Willen"?
Er will mit seiner Familie sprechen :!:
Eine völlig NORMALE Sache :!:
Dass Ihr das nicht seht/versteht ... OHNE WORTE :shock: :roll: :twisted:
Switzer hat geschrieben:Zum Abendessen haben wir auf euren Rat das chinesische Essen gestrichen und Braten mit Rotkohl und Sauce aufgetischt. Es schien ihm zu schmecken.
Aha.
Switzer hat geschrieben:Seine Deutschkenntisse waren unerwartet ausgesprochen gut.
Ja, so kanns gehen, wenn man einen wachen und offenen Geist sein Eigen nennt :idea:
Switzer hat geschrieben:Die Kinder unterhielten sich und fragen dem armen Guowei löcher in den Bauch.
Gehört dazu :wink:
Switzer hat geschrieben:Nach dem Essen wollten wir noch etwas zusammensitzen, Guowei hatte jedoch über Unwohlsein geklagt und wollte auf sein Zimmer. Dies war meiner Meinung nach gelogen.
Schon mal auf den Gedanken gekommen, dass er das Essen nicht vertragen hat? Evtl. wollte er auch nur mit seiner Familie sprechen und hat sich nicht getraut, Euch das zu sagen ... was nebenbei bemerkt kein gutes Licht auf Euch wirft.
Switzer hat geschrieben:Gegen 8:00 Uhr schaltete ich das WLan aus! Dies ist eine Hausregel bei uns. Nach 08:00 Uhr wird weder im Internet gesurft, noch der Fernseher eingeschaltet. Dies hatte ich ja bereits zuvor erwähnt, trotzdem kam Guowei ca. 1 Min nach dem Ausschalten herunter und klagte über das nicht funktionierende Internet. Ich erklärte ihm die Regel noch einmal ganz nett, aber bestimmend!
Er schien nicht sehr begeistert, allerdings wies ich ihn darauf hin, dass wir sehr gerne Zeit mit ihm verbringen und ihm beim Deutschlernen unterstützen würden.... Er lehnte ab.
Um mal eine Terminologie zu verwenden, die Ihr versteht:
JA SEID IHR DENN DES TEUFELS? :shock: :roll: :twisted:
Wie kann man einem GAST den Kontakt zu seiner FAMILIE untersagen??? :shock: :roll: :twisted:
Das China 7 Stunden "in der Zukunft liegt" (Stichwort Zeitunterschied) ist Euch wohl entfallen oder egal ... :shock: :roll:
Switzer hat geschrieben:Den nächsten Tag, als alle Kinder in der Schule waren, erhielt ich einen Anruf seines Betreuers. Guowei hatte sich über das Internet und unsere Regeln beschwert.
VÖLLIG NORMALE REAKTION VON IHM.
Switzer hat geschrieben:ch teilte dem Betreuer unsere Regeln ausdrücklich mit.
Der Euch daraufhin hoffentlich aus der Liste der Gastfamilien genommen hat.
Switzer hat geschrieben:Langer Rede kurzer Sinn.... Guowei hat dies so sehr gestört, dass er unsere Gastfamilie nach nur einer Woche verlassen hat. Er hat sich weder bedankt, noch sonst irgendeine Geste gezeigt.
Für WAS genau sollte er sich den BEDANKEN?
Switzer hat geschrieben:Wir sind alle sehr enttäuscht und werden sowohl nicht so schnell wieder jemanden Fremden aufnehmen.
Gebe Gott, dass das auch so bleibt.
Switzer hat geschrieben:Wir sind alle sehr enttäuscht und werden sowohl nicht so schnell wieder jemanden Fremden aufnehmen.
Wie gesagt: Gebe Gott ...

Nebenbei habt Ihr mit Eurer "einfühlsamen Art" sicher dafür gesorgt, dass das Bild, was potentielle chin. Gast-Schüler von der Schweiz haben, nun nicht unbedingt positiver geworden ist.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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